Verhaltensbedingte Kündigung bei erstmaliger Pflichtverletzung rechtswidrig - SQR Rechtsanwälte obsiegen vor dem Arbeitsgericht Braunschweig

27. Januar 2014

SQR Rechtsanwälte vertraten in dem Verfahren vor dem Arbeitsgericht Braunschweig einen Automobilverkäufer der für ein überregional tätiges Autohaus im Gebrauchtwagenbereich tätig war. Der Verkäufer wurde mit Opfer eines Trickbetrügers, der sich nach Rekonstruktion der Polizei mit folgender „Masche“ Zugang zu den Schlüsseln eines hochwertigen Gebrauchtwagens verschafft hatte:

Während einer Zeit mit hohem Kundenaufkommen sprach er unseren Mandanten an, gab sich als Gebrauchtwagenhändler aus und bat diesen um die Herausgabe des PKW-Schlüssels, um in den Wagen zu gelangen, als unser Mandant gerade mehrere andere Kunden zu bedienen hatte. Dieser gab dem „Kunden“ den Schlüssel, behielt ihn aber im Auge. Als unser Mandant sich im Anschluss daran zu dem „Kunden“ begab, gab dieser ihm aber nicht den Original-Schlüssel zurück, sondern einen zu einem anderen PKW gehörenden Schlüssel. Der Unterschied zwischen beiden Schlüsseln war nicht zu erkennen. Einige Tage oder auch Wochen später stahl der Betrüger den PKW dann unter Zuhilfenahme der Originalschlüssel. Der Diebstahl wurde nicht sofort bemerkt, da es durchaus üblich ist, dass PKW von ihren angestammten Standorten tageweise von anderen Mitarbeitern des Autohauses entfernt werden. Das Autohaus behauptete nun, es gäbe wegen dieser Art des KFZ-Diebstahls die eindeutige Anweisung an alle Verkäufer, Schlüssel nicht an Dritte herauszugeben. Wer dies täte, dem würde gekündigt.

Genau dies tat das Autohaus auch und sprach unserem Mandanten, der um der Aufklärung des Sachverhalts willen freimütig das Geschehen schilderte, die außerordentliche und hilfsweise die ordentliche Kündigung aus. Wir argumentierten für unseren Mandanten, dass eine einmalige Pflichtverletzung „im Eifer des Gefechts“ nicht dazu führen könnte, dass eine Kündigung ausgesprochen werde. Der Direktor des Arbeitsgerichts, der die Verhandlung leitete, sprach davon, selten eine solch enge Fallkonstellation zur Entscheidung gehabt zu haben. Er gab unserem Mandanten am Ende dennoch Recht. Sowohl die außerordentliche als auch die ordentliche Kündigung seien rechtsunwirksam.

Gerade in Fällen wie diesen lohnt sich eine Beratung durch arbeitsrechtlich spezialisierte Rechtsanwälte. So konnten wir in diesem Fall auch den Vorsitzenden Richter von der Richtigkeit unserer Auffassung zu überzeugen und unserem Mandanten die Möglichkeit erhalten, seinen Arbeitsplatz zu behalten.

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